Schwan in Notlage

Aus der Rubrik „Der besondere Einsatz“

Einsatz 494/2021

Am 01. August 2021 sicherten wir einen adulten Schwan samt Jungtier auf dem Glauchauer Stausee, der augenscheinlich einen Angelhaken verschluckt hatte. Aufmerksame Passanten reagierten sofort und informierten den Tierschutzverein Zwickau, der uns als Tierrettung ebenfalls um Unterstützung bei der Sicherung und Versorgung des Schwans bat. Parallel dazu wurde die lokale Feuerwehr informiert, für den Fall, dass eine Wasserrettung nötig werden würde. Da Schwäne unter das Jagdrecht fallen, kümmerte sich unsere Leitstelle in der Zwischenzeit um die Freigabe des Tieres beim zuständigen Jagdausübungsberechtigte. Vor Ort wurde entschieden, dass Tier mit Brot ans Ufer zu locken, um es an Land zu sichern. Noch bevor unser Team am Einsatzort eintraf, konnte der Schwan durch das beherzte Eingreifen einer schwanenkundigen Mitarbeiterin des Tierschutzvereines Zwickau bereits gesichert werden. Da der Schwan in Begleitung eines Jungtieres war und kein weiterer Schwan zu diesem Zeitpunkt gesehen werden konnte, wurde das Jungtier zur Sicherheit ebenfalls eingefangen. Unser Bereitschaftsteam stellte noch am selbigen Abend den Schwan einem Tierarzt vor, der durch Röntgen den Verdacht bestätigte. Der Schwan wurde von uns umgehend in die Klinik für Vögel und Reptilien der Universität Leipzig gebracht, wo er kurze Zeit später in einer aufwendigen Operation von seinem Angelhaken befreit wurde. Nach einigen Tagen konnte er dann die Klinik verlassen und durfte sich in einer Pflegestelle weiter erholen. Gestern nun, ca. 2 Wochen nach seiner Sicherung, konnte der Schwan samt Jungtier vollständig erholt und genesen auf den Glauchauer Stausee zurückkehren. Und zur Überraschung fand sich auch das Weibchen zu Vater und Kind ein, so dass die Familie endlich wieder vereint werden konnte.
Dieser Einsatz zeigte uns wieder einmal, wie wichtig und wertvoll eine gute Zusammenarbeit mit allen Beteiligten ist. Diese Erfolgsgeschichte war nur möglich, weil alle Beteiligten in professioneller Weise zum Wohle der beiden Tiere miteinander kooperierten. Wir möchten uns daher an dieser Stelle nicht nur bei den aufmerksamen Passanten bedanken, sondern auch beim Tierschutzverein Zwickau und Umgebung und dem zuständigen Jagdausübungsberechtigten für das uns entgegengebrachte Vertrauen. Ein herzliches Dankeschön geht zudem an die Tierärzte Riedel Chemnitz für die schnelle Hilfe und an die Klinik für Vögel und Reptilien der Universität Leipzig für die Bereitschaft, den Schwan umgehend zu operieren. Und ein besonderer Dank geht natürlich auch an die Wildvogelpflege Mittelsachsen, die sich sach- und fachkundig um den gefiederten Patienten samt Begleitung bis zu dessen vollständiger Genesung kümmerte. Die Kosten für die Operation lagen im oberen dreistelligen Bereich und wurden in erster Linie vom Landratsamt Zwickau übernommen. Die Ahorn Apotheke Chemnitz spendete ebenfalls 200 EUR, so dass die Kosten für diesen Einsatz vollumfänglich beglichen werden konnten. Auch hier ein herzliches Dankeschön für die Unterstützung!
Dieser Einsatz zeigt aber leider auch eine alltägliche Problematik auf – die Situation hätte verhindert werden können, wenn der Mensch achtsamer mit der Natur umgegangen wäre. Hier war es ein nachlässiger Angler, der das Tier in diese missliche Lage brachte. Aber auf Schwäne und andere Wasservögel, die oft in Ufernähe brüten, warten zahlreiche weitere menschengemachte Gefahren und wenn es auch „nur“ der Hund ist, der auf dem Sprung nach seinem Stöckchen ein Gelege im Uferbereich zerstört… Gefahren, die wir als Menschen minimieren könnten, wenn wir es nur wollen. Auch wenn wir alle sehr glücklich über den Ausgang sind, so muss man hier aber auch ganz klar sagen: Ein Notfall ist nur gut, wenn er erst gar nicht auftritt. In diesem Sinne wünschen wir der Schwanenfamilie nach all dem Stress eine ruhige gemeinsame Zeit und bedanken uns nochmals bei allen Beteiligten für diesen rundum gelungenen Einsatz.